Branchen-Promis als Best Ager - „Herr von Kirschhofer, ändert sich das Leben im Sommer als Best Ager?"
"Seit mein Sohn Alexander (7) lesen kann, kaufe ich emsig Micky-Maus-Hefte, bin stolzer Besitzer einer Jahreskarte für das Legoland, und für meine 16 Monate alte Tochter Pauline decke ich den Bedarf an Babynahrung und Windeln. Wäre mir der Kontakt zu meinem Sohn Felix (13) vergönnt, fände man mich vermutlich auf Rockkonzerten. Insofern veranschaulicht mein Beispiel zweifellos, dass die Zielgruppe 50plus ein Humunkulus ist, der per se nichts weiter bezeichnet als eine wachsende, bald überwiegende Bevölkerungsgruppe, die älter als 50 Jahre ist. Die Zielgruppe 50plus ist heute extrem inhomogen und verlangt eine sehr differenzierte Betrachtung. Die demoskopische Erkenntnis, dass Verhaltensweisen und Konsumstile mehr von der konkreten Lebenssituation als vom konkreten Alter abhängen, entfaltet hier volle Relevanz. Das Leben und Denken eines 50plus-Single-Mannes ist in vielen Aspekten dem eines 30-jährigen Singles ähnlicher als dem eines 50plus Familienvaters und dieses wiederum ähnlicher einem 30-jährigen Familienvater.
"Jedes Alter kennt einen Erwartungsdruck, in der Jugend hat man cool zu sein, in den 30ern und 40ern beruflich strebsam, und dann sollte man es irgendwann geschafft haben. Beruflich tritt man unverkennbar in die Phase der Seniorität ein, was sich darin äußert, dass man in Jurys ist, Interviews wie eben dieses gibt, mehr winings und dinings absolviert, als es der physischen Leistungsfähigkeit und dem mentalen Bedürfnis entspricht. Auf Kundenseite und im eigenen Haus hat man es mit Akteuren zu tun, die schon bald eine Generation jünger sind, und man muss sich hüten, bei Themen, die altbekannt erscheinen, aber immer neu sind, den Impetus und den Anschluss zu verlieren. Zunehmend unsicher scheint aber, ob sich das Erreichte langfristig sichern lässt. Das sorgt mich als späten Vater schon und natürlich der Druck, lange gesund und leistungsfähig zu bleiben.
Als Mensch mit Ideen und Plänen spüre ich die Begrenztheit der verbleibenden Lebenszeit und eine wachsende Unruhe und Intoleranz gegen-über Leerläufen. In rationaler Betrachtung erwarte ich mir durch meinen bevorstehenden, unfreiwilligen Beitritt in die 50plus keine Sensationen. Als Forscher weiß ich um den Unterschied zwischen Begreifen, Erklären und Verstehen. Letzteres ist sozusagen der höchste Grad der Erkenntnis und trägt eine emotionale Komponente in sich, nämlich das einfühlende Nachvollziehen. Insofern erhoffe ich mir für die Zielgruppe 50plus noch mehr Expertise. Punktuell wird sich kaum was ändern, vielleicht bekomme ich häufiger Post von der Rentenversicherung."
Quelle: W&V --> zum Artikel







